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Studien zur Kritik der Moderne
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L i 11 c r a t u r.

Liliencron endlich wird aus der Landschaft eine Stimm-ung, aber dann aus dieser Stimmung wieder seinenpersönlichen Antheil nehmen: er wird mit der Stimmungnoch einmal wie Loti mit der Landschaft verfahren,indem er auch sie bloss als Mittel für ein Anderesgebraucht; er wird die Landschaft durchaus in seineNatur fügen, in sich auflösen, jeden fremden Rest ausihr vertilgen, bis aus ihr am Ende sein fasslichesZeichen und Symbol wird, aus dem wir seine geheimstenRäthsel vernehmen, die tiefsten Punkte, jenen letztenKern der Seele, den die Veden Puruscha heissen.Nicht dass er Stimmungen, sondern dass er durch dieStimmungen sich selber und gerade das Eigene undEinzige seines Wesens mittheilt, das ist das Besonderean ihm. Johannes Schlaf hat in seinem letzten Buche,*)an dem nichts Naturalistisches mehr ist, mit gutemGlück das Nämliche versucht.

Das scheint mir etwas Neues, nicht willkürlicherklügelt, um zu verblüffen, sondern unvermeidlich ausunserer ganzen Entwicklung seit hundert Jahren, unddarum vertraue ich ihm alle meine Hoffnungen. Zuletztist alle Kunst doch immer Lyrik: der Künstler willsich bekennen; nur sucht jedes Geschlecht sein Ichstets wieder wo anders. Das achtzehnte Jahrhundertsuchte es im Geiste und daraus wurde die idealeDichtung des Classicismus; die Romantik suchte es imGefühle, der Naturalismus in den Umgebungen undBedingungen als den Bestimmungen des Persönlichen,die Decadence in den Nerven; und heute erwacht dieAhnung, dass jenes Letzte im Grunde der Naturen,das man nach einander durch die Ideen, durch dasGefühl, durch die äussere Staffage, durch die Nervenausdrlicken wollte, in diesem Allem nicht enthalten,sondern ein Anderes und Besonderes für sich ist, daserst den rechten Werth und Ausbund jedes Menschen

*) ,Jn Dingsda. Bei S. Fischer in Berlin.