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eigene Sprache und schöpft die geheimste Schönheitans seiner Seele. In ihm ist kein wildes Eiligen, keinHass und keine Qual, keine wirre Sehnsucht; in ilnnist Alles milde, rein und heiter; er hat alle seligenGnaden der verheissenen Kunst. Er erzählt irgendwas Geringes, Alltägliches, wie er über die brauneHaide geht oder ein neues Buch liest; aber in demeinfachsten Worte fühlen wir die Nähe einer grossen,wunderbaren Natur, und was er auch Gleich-gültiges, an sich Nichtiges sage, wir hören den Herz-schlag seiner sonnenhellen Güte. Er hat Romantisch-Phantastisches und Realistisch-Nüchternes, er hatKriegerisch - Ungestümes und Spiessbiirgerlich - Behag-liches, er hat Schaurig-Dämonisches und Beschaulich-Sentimentales geschrieben; aber durch alle Dinge töntder Zauber seines Wesens. Es ist, wie wenn man miteinem liehen Menschen wandert; er mag Banales reden,auch wohl ganz verstummen, aber der Schimmer seinerSeele neben uns verlischt nicht.
Man rühmt Liliencron als Stimmungskünstler. Aberdiese Formel erschöpft sein Verdienst nicht ; sie ist zuenge. Man vergleiche ihn nur einmal etwa mit PierreLoti. Man nehme zum Beispiel irgend eine Landschaftund stelle zuerst einen Naturalisten, dann Pierre Loti,endlich Liliencron davor. Der Naturalist wird einfachphotographiren; er wird seine Natur durchaus in dieLandschaft fügen, jeden fremden Rest aus sich scheiden,in ihr verschwinden; am Ende werden wir das Nämlichezweimal haben, das Urbild und die mehr oder wenigertreue Copie, ohne dass Neues geschaffen wäre. Lotiwird aus der Landschaft irgend eine Stimmung und,um sie von Hindernissen zu reinigen und ihre Wirkungzu steigern, die gleiche Stimmung auch aus sich selberholen; seine Natur und die Landschaft sind zwei dienst-bare Mittel, die zusammenhelfen sollen; am Endewerden sie Beide in der Stimmung verschwunden sein.