D a s j tt n g s t e Dentschlan (L
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Manche haben auch Hermann Sudermann unterdie Naturalisten gerechnet. Das ist ganz ungereimt.Die Berliner Naturalisten übernahmen die fertige TechnikZolas als alleinseligmachende Formel für Alles; jedenVorwurf stopften sie da hinein — Sudermann ringtnach einer eigenen Technik, und hei jedem neuen Vor-wurf, den er sich setzt, wird sie ihm jedesmal anders,eben aus dem besonderen Geiste des Vorwurfs. DieNaturalisten sammeln unermüdlich umständliche Docu-mente, aus denen nach und nach Handlung undCharaktere erwachsen sollen — Sudermann empfindetHandlung und Charaktere so stark und tief, dass ausdiesem mächtigen Gefühle die „kleinen Züge nach demLeben“, die „realistischeBeobachtung“, die „Documente“am Ende von selber herausspringen. Die Naturalistenarbeiten von aussen hinein — Sudermann arbeitet voninnen heraus.
III. Neue Zeichen.
Keiner der jungen Dichter ist wilder beschimpft,grausamer verspottet, giftiger gehöhnt worden, alsHermann Conradi*)- Jeder schaale Possenreisser derletzten Winkelpresse rieb seinen kurzen Witz an ihm;die eigenen Freunde verleugneten ihn. Sudelblätterder Provinz, welche hinter der grossstädtischen Bravournicht Zurückbleiben und auch einmal ihre kritischeWürde beweisen wollten, legten eine ständige Conradi-Rubrik an, die seinen rathlosen Schwulst, seine aus-gerenkten Paradoxen, seine schiefen und albernen Ver-gleiche sorgsam verzeichnete. Das war schon gleich
*) „Brutalitäten“ bei J. Scliabelitz in Zürich; „Phrasen“,„Lieder eines Sünders“, „Adam Mensch“ bei Wilhelm Friedrichin Leipzig.