Das jüngste Deutschland.
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Aber das Ringen in der Jugend verstummte dess-wegen nicht.
Da war zuerst eine wunderliche Gruppe vondemokratischen Enthusiasten: ungestüme, feurige Jüng-linge, Studenten zumeist aus dem kleinbürgerlichenStande, die, im Banne der jungen socialistischen Lehre,gegen die Noth und den Hunger empört, durch dasgrausame und schimpfliche Ausnahmsgesetz erbittert,vielleicht auch lüstern nach dem leichten Ruhme desMärtyrers und von der dankbareren Empfänglichkeitder Proletarier verlockt, eine socialdemokratische Poesieunternahmen. Marx und Lassalle wurden da in Versegebracht, der alte Herwegh musste helfen; die Polizei,mit unermüdlichen Verboten, als ob die Reichsver-fassung wirklich gleich so einfach weggedichtet werdenkönnte, that den Rest für die Reclame.
Das Meiste waren bloss mehr oder weniger ge-•reimte Leitartikel, gesinnungstüchtig genug, um irgendeinen naiven Handwerker aufzureizen, aber ohnepersönliches Gefühl, angelesen, nicht erlebt. Nur dreiKünstler hatte die Gruppe. Da war Arno Holz, vondem weiter unten die Rede sein soll. Da war KarlHenckell,*) ein confuser, aber braver, herzensguter,zuweilen sogar von Talent angewandelter Junge, derso recht das Zeug zu einem ehrsamen bürgerlichenHaus- und Sonntagsdichter hätte, aber durchaus mitgemachtem Trotze und erquältem Grimme den wildenMann spielen möchte; er hat keinen eigenen Accentin die Dichtung gebracht, aber hie und da ein freies,schneidiges Wort und auch manches gefällige Liebesliedist ihm gelungen; wenn er sich massigen, in dieGrenzen seines engen Talentes bescheiden und Ge-schmack erwerben könnte, dürfte man von ihm noch
*) „Strophen“ — „Amselrnfe“ — „Diorama“. Alles beiJ. Schabelitz in Zürich.