Das jüngste Deutschland.
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Dickens und d’Ennery mit socialistischem Grimm undEkel versetzt — das ist Max Kretzer; das war MaxKretzer bis zum „Meister Timpe“. Seither ist er einBiicherfabrikant geworden, nach dem die Litteraturnicht mehr zu fragen hat, weil er nach der Litteraturnicht mehr fragt.
Ein Urtheil über Karl Bleib treu ist schwer.Man kann nicht klug aus ihm werden. In jedem seinerWerke sind irre Blitze von Genie; aber sie verlöschengleich wieder und ersticken in einem wüsten Brei vonAlbernheit, Schmutz und Boheit. Nicht dass er einausschweifendes, entordnetes, fassungsloses Genie wäre,zu mächtigen Geistes voll und gleichsam trunken vonsich selbst, etwa wie Grabbe, mit dem er sich eineZeitlang gern vergleichen hörte, bis er es vorzog,lieber den neuen Byron zu spielen; sondern er hatbloss in einer sonst leeren, platten, ja geradezu ge-meinen Natur bisweilen unerklärliche Anwandlungenvon Genie, die in seine ganze Art gar nicht passen,sich mit seinem Wesen nicht vertragen und von aussendurch irgend einen närrischen Zufall hereingeplatztscheinen. Wie er manchmal in wenigen Sätzen einSchicksal, einen Charakter, ja ein ganzes Geschlechtaufrollt, wie er von einem einzelnen Erlebniss sich zugigantischen Visionen schwingt, wie er in mächtigenlihythmen nicht bloss das Bild einer Schlacht, sonderngleich ihre ganze Fülle an Schönheit, Grösse und Elendgestaltet, das ist oft tief und wunderbar; aber in derschmählichen Nachbarschaft von Prahlerei, hässlicherGesinnung und Kotli verschwindet es gleich wieder.Man wird das bange Gefühl nicht los, es sei eineschöne und erfreuliche Anlage später durch ein düsteresVerhängniss verstört worden. Man merkt: da wareinmal etwas, aber es ist abgestorben und verwelkt;vergeblich bläht er sich noch mühsam auf und schlägtan die entkräfteten Flanken, er vermag nichts mehr.