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Studien zur Kritik der Moderne
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L i 11 e r a. t u r.

sieht, in die erhabene Grösse der Natur verloren, auseiner so kosmischen Anschauung herab, dass allesMenschliche verschwindet und nur wie jämmerlicheZuthat scheint; er misst das vergängliche Treibender Menschen an der ewigen Harmonie des Alls,an der fruchtbaren Herrlichkeit der Erde, an der un-erforscblichen Gewalt der Gesetze, welche über denWelten herrschen, und daneben ist freilich Alles nichtig,eitel und gemein. Kretzer ist der empörte Proletarier,der die Gesellschaft von unten sieht, aus dem Hassedes Geknechteten und Unterdrückten: er misst dieSchicksale mit dem Neide des Enterbten, und darumist oben Alles Lüge, Verbrechen und Schmach. Zolabehandelt alle Menschen gleich, ohne Zorn und ohneLiebe, wie ein Forscher, der nur constatiren will.Kretzer beschönigt die Kleinen und verleumdet dieGrossen, immer nur seiner gierigen Entrüstung gehorsam,wie ein Tribun, der begeistern, aufreizen und ver-bessern will. Zola will nichts als seine Kunst. Kretzerwill mit seiner Kunst immer irgend eine Tendenz. Manthut ihnen Beiden Unrecht, wenn man sie mit einandervergleicht; aber freilich kann es sich Kretzer schonnoch eher gefallen lassen. Seine Komane sind ohneGeist und ohne Form, in einem ungeschlachten,täppischen und verlegenen Stile, in krassen Effectenschwelgend, immer hart an der Caricatur, vorstädtischthränenselig und mit einem naiven Hass gegen dieHöhen der Menschheit, aber von einer unwider-stehlichen Leidenschaft, der man die Wahrheit anhört,von einem wilden Aufruhr des Gefühles, dem sich dergeängstigte Geschmack vergeblich zu entringen sucht,und, während ihm die tragenden Gestalten meist ganzmissrathen, in mancher Episode von einer Wahrheitlich-keit und Anschaulichkeit, wie sie so zwingkräftig undvoll vom Safte des Lebens vor ihm kein andererdeutscher Autor vermocht hat. Eine Mischung von