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L i 11 e r a t u r.
Angelegenheit des ganzen Volkes wäre; und eineLitteratur, welche, statt den Blick nach entschwundenenIdealen rückwärts zu kehren, in das Antlitz der Zukunftsähe und das geheimste Eigenthum der Gegenwart anGedanken, Urtlieilen und Entschlüssen, gleichsam wiein einem unerbittlichen Steckbriefe der Volksseele,auf die Nachkommen vererbe — das waren die zweiconstitutiven Ideen der neuen Bewegung. Zur „Revolu-tion“, von der man viel gefaselt hat, war nirgends einGrund; es gab Niemanden zu entthronen. Ja, es war,wenn man sich diese Absichten und Vorsätze rechtüberlegte, gar keine Möglichkeit zu Aufruhr und Um-sturz. Die neuen Ideen hatten keinen Feind. DieJugend, aus deren ungestümer Sehnsucht sie entnommenwaren, hing mit glühender Begeisterung an ihnen; undauch unter den bedächtigeren, langsameren Alten warwohl Keiner, der nicht schon längst ein reicheres,thätigeres Lehen der Künste im Stillen selber gewünschthätte.
Es wäre nun das Nächste, Natürlichste, Einfachsteund auch sicherlich das Wirksamste gewesen, sobaldman einmal das Bedürfnis einer neuen Litteratur alsein unabweisliches empfand, still und geduldig an dieArbeit zu gehen und in treuen, aus dem innerenDrange rücksichtslos gestalteten Botschaften zu er-zählen, wie dieses neue Geschlecht die Welt begriff,wie es liebte, wie es hasste, was es hoffte, was esfürchtete, Alles, was am Grunde seiner Seele war.Aber diese vortreffliche, von so lobenswerthen Wünschengeleitete Jugend fand leider keine schöpferische Kraft:es war überall ein lautes, heftiges Bedtirfniss neuerDichtung, nur leider war nirgends ein Dichter. Undso konnte es geschehen, dass die Versprechungen aufeinmal litterarische Münze wurden und in allen Städten,wo immer nur ein so winziges Cafe oder wenigstenseine behagliche Weissbierstube war, sich das nämliche