Druckschrift 
Studien zur Kritik der Moderne
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

b as j unge b e ti t se li 1 a nd.

4 1

nicht immer gleich die rechten Worte fanden. Es fehlteihnen eine Litteratur, die sie selber ausgedrückt hätte,das Neue, Eigene und Besondere an Gedanken, Wünschenund Hoffnungen, das sie von ihren Vätern unterschied,die ganze veränderte Tonart des Lehens; es fehlteihnen ein Roman, in dem sie sich selber wiedergefundenhätten, etwa wie sich die Generation von 1848 in denRittern vom Geiste, wie sich die romantische Gene-ration in denEpigonen fand; es fehlte ihnen einDrama, das ihre täglichen Sorgen, die vielen Fragen,die sie ängstlich bewegten, die Kämpfe des Geistesund Gemiithes, in denen sie standen, gespiegelt hätte.Und es fehlte ihnen vor Allem die lebendige Theil-nalime der Nation an der Kunst, der rege Streit, Aus-tausch und Wetteifer der Meinungen herüber und hinüber,der Zusammenhang der Kunst mit dem Volke.

In dem harten, mühseligen Ringen, nach Achtund-vierzig, um die Eroberung eines Vaterlandes und dieBegründung der bürgerlichen Freiheit war aller Geist,alle Kraft, alle Arbeit von dem politischen Bedürfnisseaufgesaugt worden. Die staatliche Notli verdrängtealle feineren Triebe des Gemüthes. Nur in wenigenengen, der allgemeinen Sorge entrückten Bezirken fanddie Kunst eine seltene, heimliche Pflege: sie war einehäusliche Angelegenheit in miissigen Stunden geworden.Das Volk hatte keine Dichter mehr, sondern jederDichter hatte seine kleine, stille Gemeinde. Die Litte-ratur hatte sich dem Leben, und das Leben hatte sichder Litteratur entfremdet. Und das war es, was demneuen Geschlechte nicht länger erträglich schien; dasmeinten sie mit der Klage, dass es keine Litteraturgab; dagegen empörten sie sich mit der Losung, wiedereine Litteratur zu schaffen.

Eine Litteratur, welche nicht mehr Privatsacheeiniger auserlesener Schöngeister, sondern, als derhöchste Ausdruck des allgemeinen Geistes, eine öffentliche