Das jüngste Deutschland ist keine aus einem festenProgramme und eben zur Vertlieidigung seiner Sätzeentwickelte Schule; es ist keine planmäßige Ver-schwörung aus einem einigen Geiste; es ist keineliterarische Partei, wie es etwa das junge Deutschlandoder die Romantik oder der Sturm und Drang gewesen.Man sieht das gleich an seinen Anfängen. Man ver-gleiche sie nur einmal mit den Anfängen zum Beispielder französischen Romantik oder selbst des französischenNaturalismus. Da erhebt sich das junge Geschlechtgegen eine mächtige, starre, unantastbare Ueber-lieferung der Kunst, und es erhebt sich mit deutlichenForderungen, mit zuversichtlichen Plänen, mit fertigenMustern und Beispielen seiner neuen und besserenForm, welche die hergebrachte und noch überallherrschende verdrängen will. Das jüngste Deutschlandhat ganz anders begonnen. Das jüngste Deutschlandhat sich ursprünglich erhoben, nicht gegen eine be-stimmte Litteratur, sondern weil es überhaupt garkeine Litteratur gab, und mit keinem anderen Pro-gramme als der unwiderstehlichen Sehnsucht, wiedereine Litteratur zu schaffen.
Es gab keine deutsche Litteratur mehr — daswar die tägliche Klage der jungen Leute; damit sprachensie Tausenden aus dem Herzen, dem ganzen neuenGeschlechte, das seit 1870 auf die Hochschulen ge-kommen war. Das klingt nun freilich ein bisschenparadox:- denn es gab Paul Heyse und Martin Greif,Theodor Storm und Wilhelm Raabe, Gottfried Kellerund Konrad Ferdinand Meyer, Anzengruber und Fitger,die Ebner-Eschenbach und Ferdinand v. Saar, einestattliche Reihe stolzer Namen, mit denen sie wohl zu-frieden sein konnten. Sie meinten es auch nicht so,als ob sie diesen ihre Grösse und Würde hätten be-streiten wollen. Sie meinten es anders, wenn sie auchfreilich für ihren dunklen, aber desto heftigeren Drang