30
Kritisches.
verschlossen und zu einer unverständlichen und wirren«lilterature ä rebus» macht.
Man muss nämlich empfängliche und empfindlicheNerven haben, die leisen Winken gleich gehorchen;sonst kann diese Kunst nicht wirken. Und noch mehr,was seltener und schwieriger ist: Man muss die Ge-wohnheit der eigenen Analyse haben, welche jedenVorgang im Verstände auf den Nerven zu verfolgen,wie er dort begleitet wird, und umgekehrt jedes nervöseEreigniss in den Verstand zu übertragen geübt ist.Andere können sonst aus diesen Symbolen die natür-lichen Begebenheiten nicht verstehen.
Das ist vielleicht eine Gefahr für den Symbolismusund kann ihm schaden. Die Gegner werden ihn
darum eine Spielerei für hysterische Sonderlinge nennenund in die Irrenhäuser verweisen. Nur was auf diebreite Masse des Volkes wirkt, lassen sie gelten. Undsie werden es sicherlich auch ein erkünsteltes und ge-machtes Verfahren nennen, einen scholastischen Witzder dumpfen Schule, den das helle Leben verachtet.Aber da irren sie: die Natur selber, wo sie unum-wunden zu den Menschen redet, braucht gern diesymbolistische Technik.
Die Natur verfährt symbolistisch, ganz pünktlichund genau nach dem Rezept der neuen Schule, geradewo sie sich frei und ungebunden eingestehen darf:im Traume.
„Jemand, dem man einige Tropfen Wasser auf denMund träufelte, träumte so lebhaft zu schwimmen, dasser sogar mit den Händen die üblichen Bewegungenmachte . . . Man berichtet von einem Träumer, dereinst seinen Hemdkragen etwas zu fest geknüpft hatteund einen ängstlichen Traum erfuhr, worin er gehängtwurde. Ein Anderer träumte von einer Reise in deramerikanischen Wildniss und einem Ueberfall derIndianer, die ihn skalpirten; er hatte seine Nachthaube