Stamm-Eltern ähnlich, als das Bewußtseyn der Sünde zuerst seinBleigewicht auf ihre Seelen legte. Sie sprachen nicht, sic beweg-ten sich nicht einmal, obgleich beide sich in diesem Augenblick ein-bildeten, sie könnten sich Non ihrem eben erst gefundenen Glücketrennen, um den Seelenfrieden ihres Freundes wieder hcrznstellen.Jasper war blaß wie der Tod; Mabcl hatte aber die jungfräulicheScham das Blut auf die Wangen getrieben, die in einem Rothestrahlten, welches sie kaum mit dem ihrer heitersten und glücklich-sten Stunden vergleichen ließ. Da das Gefühl, welches bei ihremGeschlechts stets die Gewißheit der erwiederten Liebe begleitet, sei-nen weichen und zarten Schatten über ihr Antlitz warf, so erschiensie ungemein liebenswürdig. Pfadfinder blickte sie mit einer Innig-keit an, die er nicht zu verbergen suchte, und brach dann miteinem wilden Entzücken in sein gewohntes Lachen aus, wie WohlLeute von geringer Bildung ihre Lustigkeit anszudrückcn Pflegen.Diese augenblickliche Heiterkeit erstarb aber schnell in den Schmerzedes Bewußtscpns, daß dieses herrliche junge Wesen ihm für immerverloren sey. Es bedurfte einer vollen Minute, bis sich der ein-fache edle Mann von dieser erschütternden Neberzengung erholte;dann gewann er seine frühere würdevolle Haltung wieder und sprachmit Ernst, ja beinahe mit Feierlichkeit:
„Es war mir immer bekannt, Mabel, daß die Menschen ihreGaben haben, obschon ich vergaß, daß es nicht zu den meinigengehöre, den Jungen, Schönen und Unterrichteten zu gefallen. Ichhoffe, daß der Mißgriff keine allzuschwere Sünde gewesen ist, undwenn er cs war, so bin ich wahrlich schmerzlich genug dafürgestraft worden. Ich weiß, was Sie sagen wollen, Mabcl, aber csist nicht nöthig. Ich fühle es ganz, und das ist so gut, als obich es ganz hörte. Ich habe eine bittere Stunde gehabt, Mabel;ich habe eine sehr bittere Stunde gehabt, Junge —"
„Eine Stunde?" wiederholte Mabel, als der Wegweiser sichdieses Wortes zum erstenmal bediente, und das verräthcrische Blut,