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Cap wußte kaum, was Beten heißt, und konnte nichts daraufantworten. Pfadfinder betete oft, täglich, wo nicht stündlich, abernur im Geiste und in seiner einfachen Denkweise, ohne Beihilfevon Woiten. Er war daher in dieser Noth eben so nutzlos, alsder Seemann, und wußte nichts zu erwiedcrn. Jasper würde sichzwar mit Freuden bemüht haben, Berge in Bewegung z» setzen,um Mabcl zn unterstützen, aber der Beistand, welcher hier erbetenwurde, lag nicht in seinen Kräften, und er trat beschämt zurück,wie es wohl junge, kräftige Leute zu thnn pflegen, wenn man vonihnen Handlungen verlangt, bei welchen sie ihre Schwäche und Ab-hängigkeit von einer höhcrn Macht bekennen müssen.
„Vater!" sagte Mabel, indem sie sich die Thränen aus denAngen wischte und sich zn fassen versuchte; denn sie war bleich undihre Züge bebten von innerer Bewegung. „Ich will mit Euch,für Euch, für mich und für uns alle beten. Selbst das Gebet desSchwächsten und Niedrigsten bleibt nicht unbeachtet."
Es lag etwas Erhabenes, etwas unendlich Rührendes in diesemAkt kindlicher Liebe. Die ernste, ruhige Weise, mit welcher dasjunge Wesen sich zu der Erfüllung ihrer Pflicht vorbereitete —die Selbstverläugnung, mit welcher sie der Furchtsamkeit nndSchüchternheit ihres Geschlechtes vergaß, um ihren Vater in diesemAugenblick der Prüfung aufrecht zu erhalten — die Erhabenheitdes Vorsatzes, welcher sie alle ihre Kräfte mit der Andacht nndder geistigen Erhebung eines Weibes, dem die Liebe zum Spornediente, auf das vor ihr liegende große Ziel verwenden ließ — unddie heilige Rühe, in welche sich ihr Schmerz zusammcndrängte,machte sie für diesen Augenblick zu einem Gegenstand der Ehrfurchtnnd Verehrung ihrer Gefährten.
Mabel war religiös nnd vernünftig, ohne lleberspannnng undohne Selbstgenügsamkeit erzogen worden. Ihr Vertrauen ansGott war freudig nnd voller Hoffnung, zugleich aber auch demü-thig und unterwürfig. Sie war v.n .Kindheit auf daran gewöhnt.