zur Adcastea.
49 ^
Z w e y t e r Brief.
Der Deutschen darf ich mich annehmen; dieFehler, die im vorigen Blatt getadelt wurden, lagenursprünglich am wenigsten in ihrem Charakter; ihreSprache und ihre alten Sprüchwörter, der Spiegelder Denkart einer Nation sind Leß Zeuge. Kühn'und kräftig war ehemals die Sprache der Deutschen,nicht schleppend und schleichend; ihre Sittensprüchesind bieder und wahr, dazu oft so scharftreffend, sokurz und rund, daß sie mit jeder andern Nationnicht nur Wettlaufen, sondern im Wettlauf übermanche andre als Siegerin erscheinen konnte. Geheman Agrikola's, Pistorius, Herts und an-drer Sammlungen von Sprüchwortern, SebastianFranks Paradoxa, Lehmanns Florilegium, Zi n k-gvefs Apvphthegmen, Luthers, Kaisersbergs,Moscherosch und andrer Schriften durch, welcheinen Schatz reiner Lehren, auf Recht und Wahr-heit , auf Ehre und Tugend, auf Billigkeit undTreue gestellt, enthalten sie! Und wie achtdeutschvorgctragen, in wenig Worten gediegenes Gold.Schade nur, daß jetzt wenig Deutsche diesen Reich-thum ihrer Vorfahren an Weisheit und Rechtlichkeitschätzen und kennen. Sie kennen ihn nicht, weil sieihn nicht schätzen; sie schätzen ihn nicht, weil er ihnenunbekannt ist.
Lehrhafter und lchrbcgieriger war von jeher wohl'keine Nation, wie die Deutsche; allenthalben ging