Nachlese
480
brauch liebcnswerth einzuführen, ist für unser Ge-schlecht Wohlthak; eine Wohlchat für die entferntestenZeiten. Wer die Nußschaalen leerer Worte aus derPhilosophie wegkchret; nicht etwa der Schule allein,dem Verstände der Nation selbst leistet er damitDienste: denn alle diese Hohllöne kommen früher
oder später durch Umgang in die gemeine Rede, odersie sind ihr gar entnommen und werden sophistischmißgebrauchet. Rüstig gehe der Fleiß unsres Volksim Dienst der Wahrheit fort, Spinnweben und Un-rath aus ihrem Tempel zu fegen; er folge darin an-dern Nationen, die der Philosophie, Kenolo-gie, Matäologie, d. i. der kahlen Leerweisheitlängst ihr Kenothaphium bauten.
Zweytens. Aus Wissenschaften, Funktionen undGewerben verbanne man mit jenen leeren Wortenauch die leeren Formeln, aus denen der Geist ih-rer Erfinder längst entflohen ist, noch mehr solche,an denen Unsinn oder Aberwitz haftet: denn eben siemachen den leeren Kopf zu einem desto lauterenSchwätzer, zum Heuchler und Formulauten.Wie bannt man sie aber am kräftigsten? Durchneue Formeln nicht, sondern dadurch, daß man ihrenUrsprung, ihre erste Bedeutung enthüllet, sie alsoentweder sinnvoll erneuert oder ihre Entbehrlichkeitthätig darstellt. Zn der Rechtswissenschaft sowohlals in der Theologie, (ja wo nicht sonst?), giebtsdergleichen Aloga, d. i. entbehrliche, verschraubte,ihres ursprünglichen Sinnes beraubte Wvrtfvrmelndie Menge; oft verdrängte in ihnen Ein leeres For-mular das andre. Jedesmal aber fing die Wieder-herstellung wahrer Wissenschaft damit an, daß sie den
abge-