Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
412
Einzelbild herunterladen
 

Homer und Ossi an.

ql2

elend schleppten die sich mit der Geschichte und My-thologie der Alten umher! und als unser gelehrterOpitz dichtete oder reimte, war er mehr Uebersez-zer oder mehr Dichter? Was ist gegen Shakes-pcar unser Andreas Gryphius? u. f.

A. Und doch waren bereit» treffliche Erzählun-gen, Kern- und Lehrsprüche in der deutschen Spra-che; nur sic standen in ihr ohne Imaginationda. Es fehlte der Sprache an einer eignen Mytho-logie, an einer fortgebildeten Heldensage, an poeti-scher Darstellung und Ausbildung ihrer ursprünglichso vielfasscnden, vollen und schönen Stammes-Id een. Willst Du Dich davon überzeugen, wieniedrig sie diesen einst besessenen Reichthum verun-treuet habe, so gehe mit mir ein deutsches Wörter-buch durch, welches Du willst, Scherz, Wäch-ter, Frisch, Haltaus, Adelung, und ver-folge den Gebrauch unsrer lieblichsten Stanimworte.Du wirst erstaunen, wie knechtisch die Sprache ge-worden , wie nicht etwa der kirchliche, sondernein viel ärgerer, der juristische, und der ärgstevon allen der Hofstyl (Stylus uurias) dergestaltdie Herrschaft über sie gewonnen, daß er ihre schön-sten Ableitungen bis zur Quelle verderbt hat. G e-rechtsame und Feyerlichkeiten herrschenin unsrer Sprache; darauf ist alles gewandt, dahinalles gedeutet. Die vornehmsten, edelsten Wortesind dergestalt in Förmlichkeiten, oder gar inpossirliche Niederträchtigkeiten verwandeltworden, daß man sich schämt, die kräftigsten Saa-mcnkörner in solche Gebüsche, verschrumpst und »er-künstelt, aufgeschossen zu sehen. Wollen wir unsdie Mühe nehmen, einmal in dieser Absicht den