3^8 Früchte auS den sogenannt»
ken über die Schranken treibt, sie und ihresgleichenEreignisse im Lauf der Welt, sind Lieblingsinhaltder Volkslieder. Blickt vollends Nemesis ins Dun-kle , und führt von dortaus die Verbrechen hervor,indem sie solche aus Gräbern und Holle ans Lichtfördert, dabey aber ihre Enthüllungen an solche undsolche, stille Zeichen und Winke knüpfet, desto mehrerhöhet sich das G r aus enh a fte, die Lieblings-farbe der Volksdichtung, bis wenn die Dienerinnender Adrastea, die Po ine, Dike oder gar diegräßliche Erynnis erscheinen, jener Schrecken,der stumm macht, erscheint und gleichsam tanrali-siret.
Nun bedarf es kaum eines Worts über dieFrage: ob Inhalt und Gesang gemeiner Volksliedergleichgültig seyn dürfen? denn wie könnten siedies seyn, da das Lied ein so gewaltiges Mittel aufsHerz zu wirken, ja gewissermaßen die unverho le-ne Sprache des Herzens selbst ist? Mögees einsam oder gesellig gesungen werden; dort solles die Seele beruhigen, hier anfeuren; (immer aberbeschäftigt es sie;) kanns gleichgültig seyn, durchwelchen Inhalt, in welcher Tonart? und welche die-ser beyden die geheime Neigung unsres Herzens lie-be? Bekanntlich waren die Griechen auf die Be-schaffenheit sowohl, als den Inhalt der Musik, wo-mit das Volk unterhalten, wodurch die Jugend ge-bildet ward, aufmerksam; so geziemets.
Die Mclodiecn unsrer alten Volkslieder, da siemeistens dem Horn gehören, sind einfach; einfachder Inhalt, oft abentheuerlich, oft grausam. Jn-deß haben wir andre, die zu edlen Gesinnungen auf-