goldnen Zeiten.
293
welche Weise und in welchem Maas dies recht ge-schehe, soll die Komödie nicht lehren, sondern zei-gen; demnach ist sie ein Schauspiel der Welt, eineSchule der Weisheit.
A. Würde damit nicht aber unsre Eigenlie-be, unsre Frivolität genähret? An Andern su-chen wir Fehler auf, nicht an uns selbst; wir lachenüber jene; damit werden wir überhaupt gewöhnt,über Fehler zu lachen und sie zu bemerken.
B. Fehler zu bemerken, ist kein Unglück. DieWeisheit des Lebens, sagt Horaz, fangt vom Er-kennen und Wegthun der Fehler an. Wer sie anandern, nicht an sich bemerkt, ist zu seinem eignenSchaden partheyisch; die Komödie ist daran nichtSchuld. Allgemein halt sie den Spiegel vor;sehe Jeder hinein und erkenne, den Nächstensich, sodann andre. Ueber Fehler, selbst seiner lieb-sten Freunde lachen zu können und zu dürfen, istauch kein Unglück; vielmehr —
A. Doch wohl kein näheres Band der Vev-traulichkeit und Freundschaft?
B. Das engste. Wem ich nicht seine Fehlersagen darf, der hat das Recht, auch mein Lob nurzweifelhaft anzuhörcn. Foderte er gar, daß ich kei-nen Fehler an ihm wahrnetzmen und erken-nen, sondern ihn als Abgott verehren soll, der seymein Freund nicht !
A. Aber auch scherzen über seine Fehler?
B. Gewiß! Eben dieser Scherz ist die Würzeder Freundschaft, das Salz des Umgangs, die Blume