274 Früchte aus den sogenannt-
Da wir nämlich an Allen Unsers Gleichenauf gleiche Art, in gleichem Maase nicht theilnch-men können, müssen und dürfen, so soll die tragi-sche Dichtkunst uns lehren, an wem, und woran,und in welchem Maas wir thcilnehmcn sol-len, damit unsre Theilnehmung vernünftig scy,d. i. damit sie sowohl gegen andre ihren Zweck er-reiche, als auch uns nicht selbst nutzlos zerknete undaufreibe.
Den untersten Grad der Theilnehmung nenntAristoteles menschenfreundliche (philantropi-scke) Gesinnungen; wir sind sie Jedem unsresGeschlechts schuldig. Auf ihre Ausbildung soll Al-les wirken, Erziehung, Beispiel, Lehre, Geschichte,Fabel, Mährchen, die sämmtliche Dichtkunst.
Sind sie aber das Maas der Theilnehmung,das die Tragödie in ihrer Hand hat? Aristotelessagt: „Nein!" und das mit Liecht. Was durchalle Mittel bewirkt werden kann und soll, was mit-unter das Trauerspiel auch mit - bewirken muß,weil es sonst eine Kunst der Kannibalen wäre, darfund kann nicht sein eigner, besondrer undhöchster Zweck seyn. Mit Nistht nennt Ari-stoteles also die nähere, höhere Theilnahme, die wirden Helden oder Heldinnen des Trauerspiels schen-ken, einen Affekt, Mitleid. Dies Wort unsrerSprache spricht die Sache selbst aus.
Wem schenken wir nun dies Mitleid? Dem?Dem? Dem? Der? Der? Der? Die scharfestePrüfung wird diese Frage verdienen: denn es wirdein Dolch an unsre Brust gefetzt, wenn wir diese,