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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
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72 Früchte aus den sogenannt-

Schluß.

Vielleicht sind manche Leser hiedurch noch nichtversöhnet. Der Kranz des Drama hangt ihnen zuhoch; zu hoch der Ring des Schicksals. Reinigungder Leidenschaften scheint ihnen ein herbes Wort;weiche Seelen wollen gerührt, andre belehrt oder be-stürmt werden, alle indeß sich amüsiren. Also nochEinen Kampf für die Wahrheit!

Die größten Motive des menschlichen Herzensund Lebens sind Furcht und Theilnehmung;das Trauerspiel ist daher die menschlichste allerPoesien, da es sich dieser Triebfedern im innerstenGrunde annimmt.

Der ganz furchtlose Tyrann ist ein Unge-heuer. Wer die Nemesis nicht fürchtet, wen sollteer fürchten? was dürste er scheuen und schonen?Das Trauerspiel stellt ihn in dieser häßlich-verderb-lichen Gestalt, von innen und außen, unter die Machtjener strafenden Göttin. Fürchterlich straft sie ihnschon dadurch, daß sie ihm den Sinn verrückt, ihnpharaonisch verhärtet, ihn taub verblendet. An ihmlernen wir fürchten.

Dagegen auch welche Plage des Lebens ist eineschwache, übertriebene Furcht! Sie störetunser Glück durch Träume künftigen Unglücks, undziehet dieses dadurch selbst herbey. Wäre sie auch ge-recht, diese Furcht; sie kann nichts ändern! Und das

Herz