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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
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goldnen Zeiten. 27'

durch, wozu man gerührt werde? Bey einem ver-wöhnten, thranenreichen und empsindungsarmen Pu-blikum sind nasse Tücher das zweydeurigste Feldzeichenvom Werth des Dichters. Lhränenwerlhe Scenengiebt es im Leben gnug; von ihnen wollen wir durchKunstfabrikate die Menschen nicht entwöhnen. Lernensollen diese vielmehr, wo sie weinen, aber auch wosie zürnen, wo sie nicht weinen, sondern handeln,wo sie nicht weinen und fassend sich beruhigen sollen:denn Dies, nur dies ist nach allen geweinten Thrä-nen der letzte Zweck des tragische» Theaters.

Wie die äsopische Fabel ihre Lehre nur inher bestehenden Naturordnung mittelst fortwirkendetunveränderlicher Charaktere anerkannte; wie dasMährchen, vermöge der Gesetze unsrer Natur,seine Well uns in einem Traumreich zeigte; so strebtdie dramatische Poesie, die höchste Aller, zumhöchsten Ziele. Menschliche Charaktere und Leiden-schaften ordnet sie in eine Fabel der Begegnisse desLebens, die zum Theil aus ihnen entspannen, gewißaber durch sie geleitet und aufgclöset wird; und zwar,nicht zum blinde» Haß oder zu stupider Unterwer-fung, sondern durch Furcht für uns, durch Theil»nehmung an Unsers Gleichen, zu Ordnung und Läu-terung unsrer Leidenschaften von allerley Art, wie inden Logischen Geheimnissen bey einem V e r-söhnungsopfek.