258 Früchte aus den sogenannt-
beyde Religionen nahe verwandt sind, und dev Judeihr aller Wohlthater gewesen. Um ein Mährchen;von drey Ringen schlingt sich das dramatische Mahr-chen ein reicher Kranz von Lehren der schönsten Art,der Menschen-, Religion- und Volker-Duldung. Im Kampf aller Parlheyen und Re-ligionen , in auSgewäblteN, durch das Schicksal zu-sammengeführtcn Situationen wird dieser Kranz vonden verschiedensten Hände» geflochten; alle rufen unszuletzt das höchste Wort des reinsten Schicksals zu:„Ihr Völker, duldet euch! Ihr Menschen verschicd-ner Sitten, Meynungen und Charaktere, helft, ver-tragt euch; seyd Menschen!" Ein ewiger Denk-spruch für unser Geschlecht in allen Klassen, Reli-gionen und Völkercharaktcrcn. Die Menschenvernunstund Menschengüte, die in diesem Drama die Waagehalten, bleiben die höchsten Schutzgöttinnen betMenschheit.
Lessing schrieb eine Emilia Galotti, gleich-falls eine Fabel des Schicksals, durch Umstande undCharaktere bewirkt und wirkend. Ein solcher Prinzdurfte nur ein« solche Emilie gesehen haben, undeines Contrasts ihrer, seiner jetzigen Geliebten saltseyn; ein Mahler durfte jetzt nur dem Kunst-Macr-naten beydc Gemählde bringen, und dabey der Prinzzufällig vernehmen, daß diese Emilie an einen Ap«piani vermahlt, daß heut der Tag ihrer Hochzeit sey;so mußte alles Fernere höchst beeilt und Marinellizu Allem das vielseitig - geschäftige Werkzeug werden.In diesem Hosgewirr, wo, wie in jenem Walde fortan