Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
241
Einzelbild herunterladen
 

goldnen Zeiten.

241

Die Unthcit ist geschehen; sein Vater ist heim-tückisch ermordet. Seine prophetische Seele hatte et-was davon geahnet; er weiß aber nichts und tragtde» Schmerz in stiller, tiefer Trauer. Jetzt erscheintder Geist seines Vaters, zuerst andern, dann ihmund spricht. Aus spricht ec das gräßliche Geheim-niß:

Die Schlange, die mich stach,

Trägr meine Krone.

Wie ein gequälter Geist fodert er vom Sohn Ruheund Rache.

Warum fahrt Hamlet nicht zu, und ermordetden Mörder? An Willen fehlte es ihm nicht, undgewiß nicht an Kraft, wie sein Schlag auf Polo-nius, sein Kampf mit Laertes, und so mancher Mo-nolog beweisen; damit aber wäre dem Dichter undseinem Trauerspiel wenig gedient gewesen. Diessollte uns in Hamlets Seele führen: denn aus Sit-ten und Meynungen entspringt der Charakter.Hamlets Seele ist eben so zartfühlend als »ac h-denkend; aus Wittenberg kommt er, n Laliolar.Schon hatte der Tod seines Vaters, die Heirath sei-ner Mutter ihm die Welt, die Menschen, das Weibverleidet, (wie sein Monolog es rührend sagt) als jetztdie Erscheinung seines Vaters die Pforten seines Gc-müths gleichsam ganz aus den Angeln hebt, so daß Er,der junge Metaphpsikcr, jetzt zwischen zwey Weltenschwebet. Jsts nicht aus mehreren Beyspiclen be-kannt, wie Ein außerordentlicher, sonderbarer Zu-fall, sey's Glück oder Unglück, zarte Gemüthcr soaus ihrer Fassung brachte, daß sie diese spät, oderHerders W. Lit. u. Kunst. XII. O. N-«cLt-.