23 ^ Früchte aus den sogenannt-lud ihnen verachtend entziehend müssen; oder ken-net Ihr Nirgend Maas und Raum, daß wir Euchimmer zuruftn: „Höre auf, Henker!" kenntet Ihrdie Gesetze und Gange des Schicksals so wenig, daßIhr uns entweder unnütze und lächerliche Furcht ein-jaget, oder diese dergestalt über die Grenzen insReich der Unnatur hinaustricbet, daß wir statt starkzu werden, schwach, statt mitfühlend-weise, stupidgegen das Verhängnis, sühllos-hart gegen unsre Ne-benmenschen werden, und uns aller Theilnahme anihnen entsagten; wäret ihr sodann gute Haushal-ter der Begebenheiten des Schicksals?und in eurer Kunst rechtschaffene Künstler?Was würde man von einer Musik sagen, die unsstatt angenehm zu rühren, widrig aufbrachte? unslangweilig einschlaferte oder toll und wild machte?Schlechte Mischer der Affekten, empörende Darstellerder Begebenheiten des menschlichen Herzens und Le-bens, des Glücks und Unglücks der Sterblichen, Ihrtrübt, statt zu lautern; ihr empört, statt zu versöh-nen. Giebt es also keinen Ausweg von der Pflicht,daß wenn ich Leidenschaften errege, ich sie zu einemvernünftig-menschlichen Zweck erregen,mithin sie reinigen, lautern, ordnen müsse;verbeut es die Menschheit sowohl als die Kunst, undVernunft selbst, vor dem hohen Gesetz der Wellfü-gungen, der großen Waage des Glücks und Unglücks,mit dem menschlichen Herzen und dessen Empfindun-gen zu spielen, daran zu schnitzeln, und entweder ihmunnökhige Wunden zu schlagen oder sie ungeschickt zuverbinden; so ist Aristoteles nicht nur gerettet, son-dern er hat, nach den großen Mustern, die er vorsich fand, dem Dichter in seiner Poetik selbst sehr
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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
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234
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