Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

goldnen Zeiten.

233

Sphynx loste und als ein vcrdienstrcicher Königherrschte; unglücklich, als sich ein andres Rathscl,das Geheimniß seiner Geburt aufschloss." Hier wardie Frage nicht: warum solche Schicksale die Men-

schen treffen? sondern wenn und weil sie sie treffen,wie sind sie anzusehen? wie zu ertragen? Zur Ant-wort auf diese Frage sprach in der griechischen Tra-gödie bey jedem Umwcnden eines neuen Blatts imBuche des Verhängnisses, d. i. bey der Enthüllungjedes neuen Umstandes der Begebenheit Alles wassprechen konnte; der Leidende und die Mitleidende,die Fürchtenden und der Geprüfte, mit allen derEher. Er war im eigentlichen Verstände die Zungean dieser Waage; was niemand sagen durste undsagen mochte, sprach Er. Daher war und ist dasgriechische Theater so bildend. Es faßt die Begeben-heit von allen, kehret sie aufl allen Seiten; es er-greift uns rsi es« S-eLL -c. HoLs)

nicht durch die Verkündigung, sondern durch die Af-fekten selbst, die uns ergreifen.

Wozu nun erregte cs diese Affekten, wenn essie nicht reinigen, d. i. lautern, ordnen wollte?Stürztet Ihr uns aus Leidenschaft in Leidenschaftohne Zweck, ohne vernünftige Absicht und Ord-nung; verschwendetet Ihr unser Mitgefühl an Per-sonen, die dessen unwerth sind, an schwache Elendeoder an teuflische Bösewichtcr, in denen kein Zugder Menschheit erscheinet; zerfleischtet ihr unser Herzfür und wider nichts durch Unverstand oder Bosheit;ließet z. B. Die, denen wir durch Euch unsre Theil-nehmung geschenkt, so schief denken, sprechen, han-deln, daß wir, mit Haß gegen Euch, unser Mit-