Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
168
Einzelbild herunterladen
 

i68

Früchte aus den sogenannt-

9 -

Tanz. Melodrama.

Die ausdruckvolleste Allegorie, die wir kennen,ist der Mensch. Kräfte, Neigungen, Gedanken undLeidenschaften der Seele deutet sein Aeußeres, derKörper, nicht etwa nur an, sondern stellet siedem Verständigen dar. Bleibend tragtder Mensch den sichtbaren Ausdruck dessen, was erim Innern ist oder seyn möchte, d. i. seinen Cha-rakter mit sich; in jedem, zumal leidenschaftlichenund unerwarteten Moment offenbaret er aber auchvorübergehend, was in ihm wirket. Er istein wandelndes Gemahlde seiner selbst,ein Spiegel, in dem unwillkührlich seine geistige Ge-stalt erscheinet.

Da Empfindungen, Triebe und Affekten derwirksamere Theil unsrer Natur sind, die vonGedanken nur stille begleitet oder regiert werden,und eben jene sich durch Geberden am stärkstenausdrücken, indeß die Sprache eigentlich nur Gedan-ken bezeichnet und die Empfindung kaum kommenti-ret: so verschmähet gleichsam, zumal in Fallen derLeidenschaft, die Geb erde das Wort, als fremd,und ihr unbrauchbar; ein Ausruf, eine Interjektionist ihr lieber als Worte. Nichts verschwemmet dieEmpfindung mehr als ein Gerede darüber; KeySimulanten und Dissimulantcn, d. i. Key Sich-An-stcllern und Versteuern sagt das Wort oft gerade dasGegentheil von dem, was der Blick sagte; oder