148 Früchte aus den so genannt-
erhabnen Gedanken einer Erscheinung, die nicht alsein Spiel der Phantasie, sondern als ein geglaubtes,mächtig - holdes, durch sich selbst bedeutendes Wesendasteyt. Stellung, Handlung, Gliederbau drückt einelebendige Natur aus, ihren Eharaktcr.
Natur und Kunst, o wie sollt ich euch trennen?
Geliebte Zwey, so innig-fest vereinet!
Soll ich euch Schwestern, Mutter,'Tochter
nennen?
»Da Eine in der Andern mir erscheinet.
Ich «ags, in I e dc r I e d c zu erkennen;
Ein Thor, wer beyde zu entzweyen meynet.
Der Weisheit Ziel ist, sie in Eins umschließen,
Statur in Kunst, Kunst in Natur genießen.
2. Sobald die Bildung auf eine Flache, (einBasrelief;. B.) tritt, gewinnt sie ein andres We-sen; auf dieser Flache nämlich bekommt eine Ge-dankendarstellung Raum. Wenn Götter undGöttinnen auch nur um einen runden Altar als Bild-werke wandeln; fortschreitend bilden sie Einen Zug:jede Gestalt will ein Charakterzeichen, wodurch siekenntlich wandle. Oder scyn sie Verzierungen derWand, des Hausgeraths, der Gefäße, der Throne,der Sarkophagen; nach Ort und Zweck nimmt jedeGestalt eine eigne Beziehung an auf dieser Flache,zu dieser Absicht. Der Gott auf einem Becher istnicht mehr der Gott auf einem Thron des Olymps;Diana oder Pallas auf einem Sarkophag sind nichtdie hohen Gestalten, die in der Schlacht oder aufBergen erscheinen. Mitwirkend in einer Fabel wer-den sie historische Wesen; im Moment der Hand-lung, an de? sie Theil nehmen, liegt der Punkt ih-