Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
147
Einzelbild herunterladen
 

goldnen Zelten.

'47

i. In der Bildnerey, die ganze Gestal-ten bildet, müssen diese durch sich selbst be-deuten; cs sind große oder schone Personifika-tionen. Ein kleines Spielwerk durch Attribute,Symbole oder gar durch eine Beyschrist erschöpft dieSache nicht; die ganze Gestalt spreche bedeutend.

Und sprechen nicht so alle hohe Göttergestalten?Der König des Himmels, Vater der Götter undMenschen, wie er dasitzt auf seinem Thron, zu sei-nen Füßen der Adler. Milde ist der Blick seineserhabenen Hauptes, weisheitsvoll seine Stirn, mäch-tig sein Wink, der Himmel und Erde beweget. SeinBlitz drohet; aber die andre Hand führt den Stabdes Hirten der Völker. Wer sich ihm nahete, werbittend seine Knie berührte, verstand den Künstler.

So spricht Pallas in ihrer stillerschci,lende» Ge-stalt, die aus Jupiters Haupt sichtbar gewordeneTochter, seine Macht und Weisheit; seine ganze stark-müthige Gesinn nng.

So die Meergcborne Göttin, die Gestalt derSchönheit, gehüllt in Liebreiz, in Schaam, Zuchtund Anmuth. Der Heldcnjüngling Apollo und dieHeldenjungfrau Diana, Grazien und Musen, Mer-kur und Amor. Jede Gestalt bedeutet ihre Idee,sic durch sich sprechend, natürlich. Symbole undAttribute mögen diese innere Bedeutung ihres Da-seyns naher bestimmen und erläutern; (widersprechenmüssen sie ihr nie;) der reine Punkt der Allegorieindeß liegt in der Personifikation selbst, immenschlich - dargcstellttn Göttercharakter. KleinlicheDeutungen,- die am ihnen tändeln/ widersprach' dcist

K 2