1.26 Früchte aus den sogcna nut-zen kann; oder man verlacht den Dichter mit sei-nem feinglschnitzten Gebets - und Glaubensstabe.Gäbe er sich vollends Mühe, das Wunderbare Unszugleich n ich t- w u n d ct b a r, d. i. natürlich zumachen; warum gab er sich dann Mühe, den Wun-derschrank zu zimmern, in welchem er uns gemeinesSpielwcrk zeiget?
5 . Im Traum endlich sind wir uns die schärf-sten Richter. Aus dcM tiefsten Grunde holt ec dieHeimlichkeiten und Neigungen unsres Herzens hervor,stellt unsre Versäumnisse und VerNachläßigungen ansLicht, bringt unsre Feinde Uns vor Augen und wecktUnd warnet und strafet. So thue es auch Unabläs-sig und unvermerkt der Roman, das Mahrchen.Hiedurch gewinnen sie ein magisches sowohl als mo-ralisches Interesse, an welches, außer dem Drama,keine andere Dichtungsart reichet. Der Traum machtuns Personen kenntlich, und sie sinds doch nicht;ähnlich und doch nicht dieselbe; er zeichnet im Mond-Ucht. So auch der Roman, das Mahrchen. Siestrafen Laster und Thotheiten, aber an schwebendenGestalten, unbekannt Mit der Knotengeißel des Sa-tyrs. Die Vergangenheit wie die Zukunft stellen imZauberspiegel der Ahnung sic dar, unendlich, un-vollendet; unsre Seele soll sie vollenden. Wünschedes Herzens endlich — der Traum bildet schönetals Praxiteles und Lysipp; er mahlt schönet alsRaphael und Guido, vorzüglich geistige Gestalten;die Stimmen in ihm sind von magischer Kraft undWirkung. Ihr Dichter, fühlt euren Beruf! VollGeistes der heiligen Götter, träumt glücklich. Um«lso zu träumen, seyd nüchtern.