Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

lv3 Früchte aus den sogenannt-

Jahrhunderts in Gang kamen. Schicksalsqöt-tinnen, Alfen, Feyn u. f. hatten alle Europäi-sche Nationen aus Sagen der Kindkeit in Gedächt-nis; in niedreren Dichtungsarten waren sic längstund trefflich angewandt worden; Mahrchen sind ihrVaterland, in Mahrchen chun sie eine sehr ange-nehme Wirkung. Da finden Key der Wiege, oderin entscheidenden Augenblicken des Lebens sich Alfen,Feen, Genien ein; sie bestimmen und wenden dasSchicksal, sie geben und nehmen Geschenke. DieseGestalten des Glaubens der alten Welt mit Vernunftanzuwenden, giebt die interessantesten Erzählungen:denn wem begegneten nicht Feen in seinem Leben?wem spannen und wanden sie nicht sein Schicksal?

In den Feen - Erzählungen aus Ludwigs Zeitenerscheint uns sreylich im Meisten eine ausgestorbneWelt; die Prinzen und Prinzessinnen, die Denkartund das Vergnügen mancher damaligen Stände sind(Dank sey es der Zeit!) nicht mehr die unfern;manche Delikatesse der I^Iuckairis In (üorntsdseä'A.u1noy sowohl in ihren Feenmährchen als inihrer Spanischen Reise lesen wir kaum anders alsmit Verwunderung, wie man so delikat seyn konnte?Daß nicht aber selbst in verstand - und zwecklose Er-zählungen dieser Art Verstand und Zweck gebrachtwerden könne, wer wollte daran zweifeln? DieBlume der Arabeske steht da; laß aufsteigen aus ihrschöne Gestalten ! Keine Dichtung vermag dem mensch-lichen Herzen so feine Dinge so fein zu sagen, alsder Roman und vor allen Romanen das Fecnmähr-chcn. In ihm ist die ganze Welt und ihre innereWerkstätte, das Menschenherz, als eine Zauberwelt