H6 Früchte aus den sogenannt-
Ei so wirf das alte Fabelbuch in den Winkel, underzähle, was du darin fandest. Sind Langweiligkeit,Praambuln und Digressionen solcher Art naiverScherz ? Gehe man die Scherz - Digressionen undSpaß - Praambuln der Fabulisten durch ; ohn' alleRücksicht auf Theorie der Fabel wünscht man diemeisten hinweg. Es sind platte Einschiebsel; auchdem Ausdruck nach haben sich die Meisten selbstÜberlebet,
Einfalt ist die Grazie der Natur; hohe Naive-tat die Grazie der Fabel. Sie ists, die Alles würzt,vom Burlesken niedriger Naturen zum Erhabensten,dem Schweigen. Eben in dem Kontrast von Bil-dungen und Sitten scherzt die Natur unaufhörlich;aber wie ernst scherzt sie, wie consequent ist ihrePersiflage! Die Nakurfabcl ahme ihr nach; ihrhöchster und daurendster Reiz ist stille Größe, schwei-gende Anmuth besynders in den Fabeln des Schick-sals.
Als eine zweyte Ursache, warum die Fabel amliebsten Thiere darstclle, führt Lessing, wie wohlselbst nur zweifelhaft, an, „daß es geschehe, um dieErregung der Leidenschaften so viel als möglich zuvermeiden, Dies könne nicht anders geschehen, alswenn der Dichter die Gegenstände des Mitleids un-vollkommener macht, und anstatt der MenschenThiere oder noch geringere Geschöpfe annimmt. " *)
*) Lessings Fabeln S. igo.