Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

^6 Früchte aus den sogenannt-

wir ihnen einmal Frcxheic und Sprache zugestanden,so müssen wir ihnen zugleich Modifikationen des Wil-lens und alle Erkenntnisse zugcstehen, die aus jenenEigenschaften folgen können, auf welchen unser Vor-zug vor ihnen einzig und allein beruhet. Ihr Be-tragen wird uns im geringsten nicht befremden, wenncs auch noch so viel Witz, Scharfsinnigkeit undVernunft vorausfetzt*)." Das allgemeine Gefühl,dünkt mich, stehe dieser schrankenlosen Freybeit ent-gegen. Warum gefallen uns nicht alle Fabeln, wie^ene schlichten äsopische», oder wie die noch einfachernder Morgenländer? Den Witz, den Scharfsinn, dender Dichter solchem und solchem Thier leiht, findenwir außer Stelle; wir hören den Dichter durch denMund des Thiers sprechen, und wundern uns', war-um Er hinter dieser Maske rede. Ja, wie wäreauch, wenn der Eharakter der Th irre inReden wie in Handlungen strenge gehal-ten werden soll," eine so schreckenlose Annähe-rung an die menschliche Natur, im Gebrauch ihrerfeinsten Vorzüge des Witzes und Geistes denkbar?Der Thiercharakter, mithin die innere Überzeugungs-kraft dessen, was das Thier in seiner Natur, alsein Wesen seiner Ordnung sprechen soll und kann,ginge damit immer, ganz oder halb verloren. So,sagen wir, spräche dies Thier nicht, wenn es sprä-che; der Witz und Scharfsinn liegt nicht in seinerLebensweise; wo hat es diese Galanterie gclcrnck?Ein großer Theil der französischen Fabeln wird unsdaher unschmackhaft.

*) Lessings Fabeln S. 208. 20g.