74 Früchte aus den sogenannt-
dichteter Fall bleibt, in welchem die Allgemein-heit einer moralischen Lehre nie anschaubar werdenkann: wäre diese ganze Operation der „Zurückfüh-rung einer Lehre auf einen besondern Fall, dem ichdie Wirklichkeit ertheile und eine Geschichte dar-aus dichte" nicht ohne Grund und Kraft, wenn inder Natur nicht eine Ordnung, d. i. eine Wirk-lichkeit da wäre, die in jedem Fall nach allge-meinen Gesetzen in einer feststehendenFolge als ein Gegebnes forteristirel ? Ware sienicht da; ich könnte sie nicht dichten, noch wenigerwürde durch meine Dichtung, als durch eine will-kührliche Zusammensetzung irgend ein allgemeiner Satzerkennbar. Eben nur jene Naturo rdnung undNatur folge, nach allgemeinen, daurenden Gesetzen,die der Fabel zum Grunde liegt, macht den allge-meinen Satz in ihr erkennbar; und gelang es demDichter nicht seine Lehre auf sie dergestalt zurückzu-führen, daß dies Allgemeine, das Unwidcrstreblichedieser Ordnung und Folge in seinem besondern ge-dichteten Feste sichtbar ward; ganz oder halb ist seineArbeit verloren.
Lessing glaubt, daß „die allgemein bekann-ten und unveränderlichen Charaktere der Thiere dieeigentliche Ursache scyn, warum sie der Fabulist zumoralischen Wesen erhebt. Die wahre Ursache (sagter), warum der Fabulist die Thiere oft zu seinerAbsicht bequemer findet als die Menschen, setze ichin die allgemein bekannte Bestandheit der
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