Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

44 Früchte auS den sogenannt-

hochgeachteter oder geliebter Schriften die Haltungdes Geistes und Herzens, in der der Autorschrieb, sein Charakter. Unvermerkt, auch wo manihn verbergen wollte, blickt er durch; unvermerkt,selbst wenn wir gegen ihn auf der Hut sind, gehter in uns über. Dies ist die Salbung oder dasGift, mit dem berühmte Schriftsteller ohne ihr Wis-sen unwillkührlich auf ihre Zeit wirken. Eben aufdiesem unmerklichen Ucbergange (transxirstion) be-ruhet die innigste Sympathie, wie die widrigste An-tipathie zwischen Geistern und Geistern.

Wenn wir aus der Gesellschaft zurückkehren,wundern wir uns oft, daß Menschen so denken undsprechen konnten! Ihre Urtheile frappirten unswir staunen ihre Denkart an, als ob sie aus demMonde käme. Seine Maximen verbirgt manmehr und paradirt oft mit falschen; mit sogenanntenSentiments, die schon durch ihren erborgtenPrunk als Lüge sich selbst verrathcn. Wie man inder Gesellschaft Personen klassisiciret; so unterscheideman sie auch in Schriften. Die Haltung ihres Cha-rakters nämlich, d. i. wohin das Resultat ihres Den-kens, Dichtens und Trachtens gehe? ob es glücklichoder unglücklich mache? Menschen enkzweye odervereine? Ihr Musen und Grazien, bewahrt unsvor f e n D äm on en! Eine verderbliche Ma-xime, in unfern Verstand, in unser Herz ausgenom-men, schadet mehr als hundert gelesene falsche Ge-danken. Ueber diese findet sich der Verstand endlichzurecht; da jene das Herz vergiften und verpesten,zumal wenn sie uns schmeicheln. Ein guter Geist,