Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

goldnen Zeiten.

43

riffcner, hingestreueter Gedanken. Ucber jeden sollteman sich Rechenschaft geben:ist ec wahr? und

wiefern? wie kam der Denker auf ihn? und washat er für Folgen?" Dies sich selbst kurz oderausführlich, aber bestimmt zu bemerken, ist eineKonversation der Geister; eine Uebung,da wir selbst aus dem Falschen oder HalbwahrenWahrheit lernen. Manche Gedanken führen uns indieser Geistcsunterredunq ungemein weit auf Wegeund zu Materien, an die der Autor selbst nicht dach-te; aus manchem Saamenkocn, das ein Vogel hin-lrng, erwuchs mit der Zeit ein Wald von Baumen,eine neue Schöpfung. Wie Diderot den Scnekadurchgehet und kontrolliert, wie Machiavell denLivius, andere Jtalianer den Tacinis ausgefponnenund kommentirt haben; so dürfen wir mit einzelnenP6NSLK8 oder tkouZstts berühmter Männer, dieunserm Geist verwandt sind, umgehn. Ost muß mansie variiren, wie in Spanischen Liedern die soge-nannte Glossa den gegebenen Gedanken, die Letra,variirt, umkchrend, erweiternd. Für jugendlicheJahre ist dieser GeistenUmgang eine treffliche Ue-bung; er wetzt das Unheil und veranlaßt Gedanken.Wer wollte aber auch je ohne diesen Umgang leben?wer je für ihn alt werden?

Noch scharfer aber als Gedanken müssen Ma-ximen geprüft werden; ihr Einfluß ist höchst wichtig.Wie sogar Mienen und Gesichtszügc sich beym Um-,gange unvermerkt mittheilen, so auch der Lesung