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vollendet; aber die bleiche Wange, das hohle Auge und der ängst-liche Blick sagten deutlich genug, wie viel sie an Leben und Ge-sundheit zugesetzt, bis es sein jetziges Stadium erreicht hatte. Indem Maße, als ich an Schönheit zunahm, war die Hand, die michschmückte, abgezehrt und wenn ich aufblickte, um ein wohlgefälligesLächeln zu erhaschen, so fand ich Gram und Schwermuth in deneinst so lieblichen Zügen, lind doch war der Gesang der Vögel— Paris ist voll von diesen Sängern — um nichts weniger süß,der Dust der Rosen nicht minder würzig, das Grün eben so frischals sonst. Die Natur läßt sich in ihrem ewigen Gange nicht auf-halten, um in den Schmerz eines einzelnen Opfers der menschlichenGesellschaft cinzustimmen, und gerade dann, wenn das Elend amtiefsten ist, liegt etwas furchtbar Ergreifendes in diesem unzerstör-baren, lächelnden Gleichmuthe der uns umgebenden Natur, welcheuns das Nichts der Kreatur so eindringlich vor Augen hält.
Adrienne war diesen Morgen noch früher als gewöhnlich auf-gestanden, fest entschlossen, bis gegen Mittag ihr Tuch fertig zusehen, an welchem in der That nur noch die Spitzen anzusetzenwaren, denn ihre Ungeduld machte eS ihr geradezu unmöglich,wenigstens für heute, die Arbeit der Modchändlerin vorzunchmen.Sie hatte den ganzen letzten Monat buchstäblich von bloßem Brodegelebt; anfangs war es ihr noch möglich gewesen, ihr kargesMahl mit einigen Weinbeeren zu würzen, später aber hatte sie es ganzauf Wasser und Brod verringert. Doch war es im Ganzen wenigerdiese unzureichende Nahrung, was ihre Gesundheit untergrub, alsdie Entbehrung der frischen Luft, der Mangel an Bewegung, dasununterbrochene Sitzen bei anstrengender Arbeit, die schlaflosenNächte und das Fieber monatelang sich hinschleppender Hoffnungen.Dann fehlte dem armen Kinde auch der belebende Umgang mit einemverwandten Wesen: sie war buchstäblich ganz allein und ihr Verkehr mitMenschen beschränkte sich in der Regel auf die kurzen Besuche beider Modistin. Ihre Großmutter lag meistens im Schlummer, und