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Lohn, wenn er wirklich nicht ganz verdient sey, noch ferner anneh-men dürfe.
»Ich hatte gehofft, Madame!" stammelte sie, indem sich ihreschon lange farblosen Wange» abwechselnd rölheten und mit Todten-bläffe überzogen, „ich hatte gehofft, daß Sie mit mir Ihre Rech-nung fänden, Madame! Gewiß, gewiß, ich bringe Ihnen jedenAbend eben so viel Arbeit, als irgend eines der Mädchen, welcheSie beschäftigen."
„Darin stehen Sie allerdings wenigen nach, Mademoiselle, daswill ich nicht bestreiten, allein Sie können sich denken, daß dieArbeit von Leuten, welche dazu geboren und erzogen sind, de»Kunden besser gefällt, als Ihrer Hände Werk, die Sie zur großenDame gebildet wurde». Indessen will ich meine Hand nicht ganz von Ih-nen abziehen, weil ich weiß, daß Ihre gute, arme Großmutter-"
„8i — si, ülaäamo!" fiel Adrienne hastig, vor Angst an allenGliedern zitternd, ein.
„Ich weiß das Alles, Mamsellchen! und die gute alte Damesoll nicht darunter leiden; Sie sollen zusammen wieder mit Ihrenfünfzehn Sous beglückt werden. Ja, und um Ihr Herz zu er-leichtern, Mamsell, will ich dies sogar auf ein ganzes Jahrkontraktlich fest machen lassen."
„Nein — nein — nein," murmelte Adrienne, die sich um Alles inder Welt in ihren Plänen für die Zukunft nicht binden lassen wollte,so froh und dankbar sie auch für den Augenblick war — „Dank, tausendDank, Madame! morgen sollen Sie sehen, was ich leisten kann."
Und Adrienne nähte den folgenden Tag, bis ihr nicht nurBrust und Finger schmerzten, sondern ihr Herz beklommen wurde.Das arme Kind ahnte nicht, daß sie damit ihrer Drängerin nur einenGrund zu noch gesteigerteren und verderblicheren Anforderungen in dieHände gab. Die Furcht, zuletzt auch diesen Verdienst und mit ihm alleHoffnung auf mich zu verlieren, schwebte ihr beständig vor Augen, ihreHand beflügelnd und ihre Kräfte zur äußersten Anstrengung spannend.