48
Zierraihen, welche das Auge des Ungebildeten durch überladenenPrunk blenden, sondern wohlersonnene Umrisse, mit Sinn und Ge-schmack ausgeführt, an denen sich die Phantasie verfeinern, der Sinnfürs Schöne bilden konnte, und welche eben dadurch einem sonstsinnlos erscheinenden Luxus gewissermaßen als Entschuldigung dienenmochten. Von diesen halte Adricnne eines der einfachsten, schönstenMuster ausgewählt, um es mittelst ihrer kunstreichen Nadel auf einemGewebe zu verkörpern.
Der erste Stich an dieser Arbeit geschah mit dem Glockenschlagfünf in der Frühe des t4. April 182t, der letzte zwei Monatespäter am selben Tage um zwölf Uhr Mittags. Vier Stundentäglich saß Adrienne über den Rahmen gebückt, ganz verloren inihre Stickerei und in die Luftschlösser, welche sie darauf baute.
Manch schöner Blick in die lautere Seele des Kindes warmir in dieser kurzen Zeit «erstattet. Ihr inneres Auge schweiftevon Furcht zu Hoffnung über und verweilte mitunter auch bei ihrenandern Arbeiten und dem geringen Preise, den sie sich mit diesemmühevollen, sklavischen Dienste erwarb. Die Modistin bezahlte sienämlich ganz auf dem Fuße eines gewöhnlichen Nähmädchens, obwohlihre feine, niedliche und geschmackvolle Arbeit recht wohl das Dop-pelte dieses Lohnes Werth gewesen wäre. Er betrug für die unter-geordneten Arbeiterinnen einen Frank täglich und dabei mußten diearmen Geschöpfe noch selbst für Nahrung und Obdach sorgen. DisKlage über herabgedrückte Preise war damals allgemein und diearme Revolution hat in dieser Beziehung eine Masse häuslichenElendes zu verantworten.
Wer von den Thorheiten oder, was dasselbe ist, von dem Luxusder Menschen lebt, ist mit seiner Plünderung auf zwei Klaffen vonOpfern angewiesen — die Konsumenten und die Producenten, so-wohl die eigentlichen als die Arbeiter. Dies gilt nicht nur von dermännlichen Klasse, sondern auch und in noch weit höherem Gradevon dem schwächeren Geschlecht, welches häufig so hülsloS ist, daß