Erstes Kapitel.
Dch kenne gewisse Moralisten, welche dem menschlichen Hoch-muthe, der oft auf sogar schwachen Füßen steht, eine wohlverdienteBeschämung durch die Lehre bereiten, daß jedes Menschenkind in-nerhalb einer Anzahl von Generationen eine ganze Million vonAhnen aufzuzählen habe. Nach dieser Lehre gäbe es demnach keinenFürsten, der nicht einige wenige Tropfen Bettlerbluts in den Aderntrüge, wie denn auch umgekehrt jeder Bettler stch eines unbezwei-felten AntheilS an fürstlichem Geblüts rühmen dürfte. Diese allge-mein waltende Regel hat ihren Einfluß sogar auf meine eigene Wenig-keit geübt und auch ich mußte den Gesetzen der Natur gehorchen,trotzdem daß ich meine durchaus vegetabilische Abstammung durchBeweise erhärten kann, wie denn meine Vorfahren nach den älte-sten Nachrichten, welche ich von meiner Familie besitze, zu demehrsamen Geschlechts der Flachsstauden 8peo. llluum usitalissimumgehörten, das in tausend und tausend Bruderpflanzen erblüht, welchealle denselben tadellosen Bau und die auffallende Gleichförmigkeitaufweisen, die ihre Produktion so lohnend macht. In diesem Stückedarf ich mich also sogar noch eines Vorzugs vor den Bourbonenrühmen, welche seit tausend Jahren die bedeutendsten Throne ein-nahmeu und sogar jetzt noch die Kronen von vier europäischenStaaten aus dem Haupte tragen.
Wenn unsere Familie in dem oben erwähnten Punkte dem all-gemeinen Gesetze der Menschheit folgte, so begründet sie dagegeneine auffallende Ausnahme von der Regel, welche, was EinwanderungDas gestickte Taschentuch. 1