288
als ziemlich gleichbedeutend betrachtete. Ich habe seitdem erfahren,daß unsere vaterländischen Gesetze jeden amerikanischen Bürger, derauf ein Sklavenschiff geht, für einen Seeräuber erklären und alssolchen behandeln, was mir höchst sonderbar vorkommt, da ich nichtzu begreifen vermag, wie ein Spanier etwas thun kann, ohne See-räuber zu werden, was den Amerikaner, sobald er'S thut, zu einemsolchen Verbrecher stempelt. Ich bin fest überzeugt, daß äußerst wenigeMatrosen wissen, in welchem Lichte die Gesetze den Sklavenhandelbetrachten. Seeräubern ist nichts anderes als Raub, auf hoherSee begangen und war zu allen Zeiten vom Gesetze verpönt; derSklavenhandel dagegen wurde noch vor Kurzem von allen Nationenbegünstigt und wir armen Theerjacken vermögen die ganze Verän-derung nicht anders, denn als einen bloßen Wechsel der Politik zubetrachten. — Was mich betrifft, ich wäre auf jene Brigg gegan-gen, ohne die geringste Ahnung von den Gefahren zu haben, wel-chen ich mich blosstellte und hätte mich in moralischer Beziehungkeinen Falls für schuldiger geachtet, als ich mich zu jener Zeitfühlte, da ich an der irischen Küste Taback und zu Canton Opiumeingeschmuggelt hatte. *
* So lautet Ned's Ansicht von der Sache und auch ich babc dieses amerika-nische Gesetz von jeher im Grundsätze für uurichlig und in der Strafbe-stimmung für allzu streng gehalten. Im Grundsätze unrichtig, weilSeeräuberei ein Verbrechen gegen das Völkerrecht ist, und es demnach einemeinzelnen Staate gesetzlich nicht zustcht, den Bereich der internationalenJustiz willkührlich zu verengern oder zu erweitern. So gehört es nament-lich zu der amerikanischen Politik — seitdem sich so viele ihrer Interessenauf daS Bestehen des fraglichen Grundsatzes gründen — mit aller Strengeauf Beobachtung desselben zu halten. Die Todesstrafe ist zu streng, denneS ist wohl zu erwägen, daß wir manche NabobS unter uns haben, welchedamals, als jener Handel gesetzlich erlaubt war, als Sklavenhändlerden Grund zu ihrem Reichthume gelegt haben. Plötzliche Aenderungen- der sittlichen Maaßstäbe lassen sich nicht nur so mit einem Federstrichebewerkstelligen, und selbst die öffentliche Meinung wird i» einem sklaven-haltenden Staate schwerlich dazu zu bringe» sehn, den Sklavenhandel alsei» großes Verbrechen zn betrachten. Aber, selbst die Todesstrafe möchte