VI
einem Kauffahrer seinen ersten Ausflug machte —um seinen Beruf einigermaßenPraktisch kennen zu lernen. So wollte eS die damalige Sitte, deren Zweck-mäßigkeit — die Sache im Ganzen angesehen — man übrigens sehr bezwei-feln kann. Die Reise war eine ungewöhnlich lange, sofern sic Wohl sechsbis acht Fahrten in sich schloß und nahezu bis an das Ende des Jahres 1807dauerte. Am Bord desselben Schiffes befand sich unser Mvcrs, welcher demKapitän als Zögling beigegeben war. Ned — so nannte man ihn allgemein —war in demselben Alter mit dem Herausgeber; so bildete sich zwischen Beidenschnell jene Vertraulichkeit, welche das Schiffsleben mit sich zu bringen pflegt.Ned war übrigens der Jüngere: ihm blieben damals alle die Mühseligkeiten undschweren Dienstleistungen erspart, denen sich der Herausgeber zu unterziehen hatte.
Nur einmal, nachdem sich die Mannschaft des fraglichen Schiffs zer-streut hatte, trafen Ned und der Herausgeber wieder zusammen, und zwarbloß auf ganz kurze Zeit. Dieß war im Jahr IMS. Viernndzwanzig Jahrespäter, 1833, waren Beide eine halbe Stunde lang am Bord ein und desselbenSchiffs, ohne von einander zu wißen. Wenige Monate darauf schrieb Ned,von der richtigen Vermuthung geleitet, der Verfaßer des Loolsen müße seinalter Schiffsgcnoße sein — einen Brief an den Herausgeber, um sich derWahrheit zu versichern. Der hierauf folgende Briefwechsel führte zu einerZusammenkunft, diese zu einem Besuch NcdS bei dem Herausgeber, und dieMittheilungen, die Letzterer bei diesem Besuche erhielt, riesen den Entschlußhervor, das vorliegende Buch zu veröffentlichen.
WaS die Absicht des wirklichen VerfaßerS betrifft, so hegt der Heraus-geber alles Vertrauen zu NedS Erzählung. Sollte er sich in der That nir-gends geirrt haben, so müßte er als eine Ausnahme von der überall giltigenRegel angesehen werden, die auf alle Ansichten und Erinnerungen der übrigengroßen Menschenfamilie ihre Anwendung findet. Dessenungeachtet hat derHerausgeber Sorge getragen, nichts wicderzugeben, was ihm irgend Mis-trauen einslößtc. An wenigen Stellen hat er feine eigene größere Wcltcrfah-rnng und Menschenkenntnis an der Stelle von NedS beschränkter Anschauungs-weise reden laßen; übrigens nur mit großer Vorsicht und einzig in Fällen,wo cS am Tage lag, daß der Erzähler durch den trügerischen Schein getäuschtworden war oder aus Unwißenheit gefehlt hatte — woraus der Leser übrigensnicht entnehme» möge, daß NcdS Bildungsgrad nur der eines gewöhnlichenVorkastcllmatrosen gewesen sei — ein Schluß, der sehr irrig wäre. Schon