600
in geistlichen Hebungen, wie sie bei einer solchen Gelegenheitüblich waren, zu.
In dieser Stimmung erschienen diese zwei reinen weiblichenWesen, ohne einen Gedanken an die Eitelkeiten des PutztischeS —sondern nur ernstlich bedacht, sich auf die feierliche Handlung vor-zubereiten — an der Thüre der königlichen Capelle, in welche maneben auch Ozema auf ihrem Lager gebracht hatte. Die Marquisehatte Mercedes, aus gewohnter Achtung gegen den Altar undseine Diener, einen weißen Schleier über das Haupt werfen und nocheinige kleine passende Aenderungen in ihrem Anzuge vornehmen lassen.
Ungefähr ein Dutzend Personen, die man eines solchen Ver-trauens für würdig hielt, waren bereits gegenwärtig, und als dieBraut und der Bräutigam eben im Begriffe waren, ihre Plätzeeinzunehmen, trat hastig Don Ferdinand mit einem Papiere in derHand ein, in dessen Lektüre er durch das Gesuch seiner königlichenGemahlin, der heiligen Handlung anzuwohnen, unterbrochen wordenwar. Der König war ein würdevoller Fürst und wenn es ihmbeliebte, so wußte kein Herrscher seine Rolle anmuthiger oder ge-schmackvoller zu spielen. Er winkte dem Erzbischof inne zu haltenund ließ Luis niede'rknieen. Dan» warf er dem junge» Mannedas Band eines seiner Orden über die Schulter und sprach:
„Nun stehe auf, edler Sennor, und übe stets Deine Pflichtgegen den himmlischen Meister, wie Du sie kürzlich gegen unsgeübt hast."
Jsabella belohnte ihren Gatten für diesen Gnadcnakt miteinem beifälligen Lächeln — und die Ceremonie begann, welcheunseren Helden und unsere Heldin für immer vereinigte. Mercedesfühlte in der Wärme, womit Luis sie an seine Brust drückte, daßsie ihn nun verstand, und für einen wonnevollen Augenblick warOzema in der Ueberfülle des eigenen Glückes vergessen. ColumbuShatte die Braut zum Altäre geleitet — ein Amt, welches ihm derKönig selbst zugewiesen, während Letzterer, in der Absicht, ihm