Druckschrift 
11 (1846) Donna Mercedes von Castilien, oder die Entdeckung von Amerika
Entstehung
Seite
592
Einzelbild herunterladen
 

Luis Luis Niemand, wer Dein Herz kannte, hat jean demselben gezweifelt."

Mercedes hielt inne und das Arbeiten ihrer Züge bewies, daßder aufrichtige Ernst ihres Geliebten bereits ihre Zweifel a» seinerBeständigkeit erschüttert hatte. Demungeachtet kehrte ihr Geistwieder zu den Scenen der Reise zurück und ihre Phantasie führtesie an das Lager der unglücklichen Ozema. Nach der Zögerungeiner Minute fuhr sic in leisen und erstickten Töne» fort:

Ich wist nicht in Abrede ziehen, daß es meinem Herzenwähl thut, diese Sprache z» hören, der ich, wie ich fürchte, nurzu bereitwillig mein Ohr leihe. Aber dennoch wird es mir schwerzu glauben, daß Du je eines Wesens vergessen kannst, welches selbstdem Tode Troß bot, um Deinen Körper gegen die Pfeile derFeinde zu schützen."

Glaube das nicht, theureS Mädchen. Du würdest an Ozema'SStelle dasselbe gethan haben und von diesem Standpunkte auswerde ich eS immer betrachten."

Ich würde es wohl gewünscht haben, Luis," fuhr Mercedesfort und Thräncn entstürzten ihren Augen,aber ich hätte vielleichtnicht die Kraft dazu besessen."

Gewiß, Du hättest es gethan ich kenne Dich zu gut, umeinem Zweifel Raum zu geben."

Wäre es nicht Sünde, so könnte ich Ozema um diese Ge-legenheit beneiden! Ich fürchte, Du wirst Dich deß erinnern, wennDu der Reize müde bist, die ihre Neuheit verloren haben."

Du hättest es nicht nur gethan, sodern es sogar weit bessergethan! Zudem gab sich Ozema in ihrer eigenen Angelegenheitder Gefahr Preis, während Dich nichts abgehalten haben würde,ihr um meinetwillen entgegen zu treten."

Mercedes hielt auf's neue inne und schien sich in tiefes Nach-sinnen zu verlieren. Ihre Augen leuchteten bei den beruhigendenBetheurungen ihres Liebhabers und trotz der edeln Ergebung, mit