l50
schritt verstört im Zimmer ans und ab, denn obgleich kein Lebenderweniger geneigt war, seine Mittel an irgend Etwas ohne Aussichtauf sicheren Erfolg zu wagen, so bestürmte ihn doch der Gedanke,daß Andere einen Vortheil erndten könnten, welchen er selbst ver-nachlässigt hatte, und weckte all die Gefühle, welche stets seinekalte und berechnende Politik leiteten.
Bei Jsabella war der Fall anders. Ihre frommen Wünschewaren immer der Unterstützung von ColumbuS großem Plane zu-gethan gewesen, und ihr hochsinniger Character hatte stets an demedeln Entwürfe, den großen moralischen Resultaten und dem Ruhmedes Unternehmens den innigsten Antheil genommen. Nur derUmstand, daß ihr Geist und ihre gläubigen Hoffnungen durchden Krieg in Granada zu sehr beschäftigt waren, hatte sie abge-halten, früher in eine genaue Prüfung der Ansichten des Seefahrerseinzugehen, wie sie denn auch nur äußerst »»gerne dem Nathe ihresBeichtvaters, die von ColumbuS geforderten Bedingungen zu ver-werfen, nachgab. Jetzt übten aber die zarteren Gefühle ihres Ge-schlechtes wieder ihren Einstnß; denn während auch sic über daS,was eben zur Sprache gebracht worden war, nachdachte, streifteihr Auge durch das Zimmer und blieb auf dem lieblichen Antlitzeder Donna Mercedes haften, welche in schüchternem Schweigen dasaß, aber durch die beredte Bläffe ihres Gesichtes die stummeSprache der reinen, schwärmerischen Liebe eines Weibes an denTag legte.
„Tochter Marquise!" fragte die Königin, die sich gewöhnlichin Lagen des Zweifels an ihre erprobte Freundin wandte, „washältst Du von dieser wichtigen Angelegenheit? Sollen wir uns soweit herablaffen, daß wir diesen hochmüthigen Genuesen zurückrufen?"
„Sagt nicht hochmüthig, Sennora, denn er scheint mir überein solches Gefühl erhaben. Er kömmt mir eher wie ein Mannvor, der das, was er in Aussicht hat, recht gut zu würdigen weiß.Ich bin vollkommen mit dem General-Einnehmer einverstanden.