„Nach meinen Wünschen, Don Luis?"
„Nach all' Deinen strengen Begriffen von Nüchternheit undWürde des Benehmens, wenn Du nur so viel Theilnahme für michfühlen könntest, um mir anzudeuten, daß meine Handlungen DirFreude oder Kummer machen."
„Kann es anders seyn? Könntest Du mit Gleichgültigkeit demTreiben eines Menschen Zusehen, den Du von Kindheit auf gekanntund als Freund geachtet hast?"
„Geachtet? theure Mercedes, willst Du dieses Wenige nur zumeinen Gunsten zugestehen?"
„Achtung gegen irgend Jemanden, Luis, ist nicht wenig, son-dern viel. Wer die Tugend ehrt, achtet nie einen Unwürdigen, undes ist nicht möglich, Dein vortreffliches Herz und Deinen männlichenSinn zu kennen, ohne Dich zu achten. Gewiß, ich habe diese Ach-tung weder vor Dir noch vor sonst Jemanden verhehlt."
„Hast Du überhaupt Etwas verhehlt? Ach! Mercedes, vollendeDeine himmlische Güte und gestehe, baß zuweilen noch ein andereszartes Gefühl, wäre es auch noch so gering, sich dieser Achtungbeigemischt habe."
Mercedes errölhete hoch, aber sie wollte das oft Erbetene nichtzugestehen. Es verfloß eine Weile, ehe sie überhaupt antwortete,und als sie zu sprechen begann, geschah es zögernd und unter häu-figen Pausen, als ob sie nicht wisse, ob wohl das, was sie zu sagenWillens war, geeignet oder klug sey.
„Du bist viel und weit gewandert, Luis," sagte sie, „und bistdurch Deinen Hang zum Herumstreichen etwas in Mißkredit gekom-men: warum willst Du das Vertrauen Deiner Tante nicht durch die-selben Mittel wieder gewinnen, durch welche Du es verloren hast?"
„Ich verstehe Dich nicht. Ein solcher Rath aus dem Mundeeines Mädchens, das die Klugheit selbst ist —"
„Der Kluge und Verständige überlegt seine Worte und Hand-lungen und findet daher um so mehr Vertrauen. Die kühnen