40
möglich zu machen, sind mir das Vorbild jener Schwierigkeiten,welche wir auf unserem Gange durch das Leben zu überwindenhaben werden."
ES folgten nun einige Aeußerungen der Höflichkeit, in welchendie Prinzessin die Hoffnung ausdrückte, daß es ihrem Vetter seitseiner Ankunft in Caüilien an Nichts gefehlt habe, — eine An-frage, welche eine paffende Erwiederung fand; dann führte sie DonFerdinand zu einem Lehnsessel, indeß er selbst sich des Schemelsbediente, auf welchem Beatriz de Bobadilla bei ihren vertrautenGesprächen mit ihrer königlichen Gebieterin zu sitzen pflegte.Jsabella hatte jedoch die Anmaßungen der Castilianer hinsichtlich desVorrangs ihres eigenen Landes vor Aragon zu lebhaft im Ge-dächtnisse, um sich dieser Anordnung rußig zu fügen, und so lehntesie ab, sich zu setzen, bis ihr künftiger Gemahl den für ihn berei-teten Sessel eingenommen hatte.
„ES würde sich nicht sehr schicken," entgegnete sie, „daß eineDame, die Nichts als etwas königliches Blut und ihr Vertrauenauf Gott hat, sich niederläßt, während der König von Sicilieneinen so unwürdigen Platz cinnimmt."
„Ich bitte, laßt eS geschehen," erwiederte der König. „InEurer Gegenwart verschwinden alle Rücksichten des irdischen Ranges.Betrachtet mich als einen Ritter, der bereit ist und vor Begierdebrennt, seine Treue an jedem Hofe, oder auf jedem Schlachtfeldeder Christenheit zu beweisen, und behandelt mich als einen solchen."
Jsabella, welche jenen edlen Takt besaß, der im Augenblickdie zarte Grenzlinie zu unterscheiden weiß, wo die feine Bildungin leere Förmlichkeit übergeht, lächelte erröthend, und lehnte eSnicht länger ab, sich niederzulaffen. ES waren jedoch weniger dieWorte ihres Vetters, sondern vielmehr die unverhüllte Bewunderungin seinen Blicken, der belebte AuSvruck seines Auges, und die bie-dere Freimüthigkeit seines Benehmens, die den Weg zu ihremHerzen fanden. Mit dem Instinkte des Weibes bemerkte sie, daß