31
treue Beatriz, will ich gestehen, daß, wäre der König von Sicilienso alt als Don Alfonso von Portugal, oder wäre er so weichlichund unmännlich, als Monsteur de Guienne — wäre er in der Thatweniger jung und anziehend, ich kerne solche Befangenheit bei dieserBegegnung fühlen würde, wie ich jetzt empfinde."
„Das ist doch sonderbar, Senuora! Ich für meinen Theilmuß bekennen, daß ich Don Andres nicht eine Stunde von seinemLeben, so hinreichend lang es auch ist, nicht die mindeste Anmuihseiner Person, wenn sich je der ehrenwerthe Ritter einer solchenrühmen kann, nicht eine einzige Vollkommenheit, sowohl des Kör-pers als der Seele, erlassen möchte."
„Dein Fall ist nicht der meine, Beatriz. Du kennst denMarquis von Moya; hast auf seine Worte gehorcht und bist ansein Lob und seine Bewunderung gewöhnt."
„Heiliger St. Jago von Spanien! Ihr braucht wahrlich nichtwegen Nnbekanntschaft mit solchen Dingen verlegen zu scyn, Sennora:denn von Allem, was zu lernen ist, lernt man am leichtesten anLob und Bewunderung Geschmack finden."
„Du hast Recht, meine Tochter," — denn so nannte Jsabellaoft ihre Freundin, obgleich fie selbst die jüngere war. lleberhauptwar in ihrem späteren Leben und nachdem die Prinzessin Königingeworden war, dieß der gewöhnliche Ausdruck ihrer Zärtlichkeit.— „Dn hast Recht, wenn Lob und Bewunderung so frcimüthig ge-geben werden, als fie verdient find. Aber ich zweifle sehr, ob meineAnsprüche auch von dieser Art find, und sehe mit Besorgniß denGefühlen entgegen, welche unser erstes Zusammentreffen in DonFernando Hervorrufen wird. Ich weiß — nein, ich fühle, daß erliebenswürdig, edel, tapfer, großmülhig und gut ist — schön an-zusehen und treu den Pflichten unserer heiligen Religion ergeben,an Charakter so ausgezeichnet, als an Geburt; und ich zittere,wenn ich bedenke, wie wenig ich geeignet bin, seine Braut undKönigin zu heißen."