e53 Herders Gedichte.
Die Unbeständigkeit der Welt.*)
Was mag gelicben Dir an der Unflätigkeit?
O meine Seele/ prüfe dieser ZeitUnd dieser Welt Bestand.
Wer heut auf guter Fahre fahret,
Ist morgen todt! hat er kein Vaterland,
Das ewig wahret:
O weh, o weh, wozu hat er sein Herz beschweret?
Die Welt, sie baut auf ein gar krankes Eis,Wenn es die Sonne nnn verzehret,
Wo bleibest du, hast du kein festes Land,
Das ewig wahret?
Die Welt ist Einen AugenblickVorbei mit ihrer Freude:
Die Sünden sind der Seele Strick,
Zu fesseln ewig sie dem Leide;
Ist Welt und Freude nun vorüber,
Gebund'ner, armer Geist, was hatt'st du ißö liebet?
Hilf, o Befreyer, Jesu Christ,
Daß sich mein Kummer wende,
O du, bev dem die Freiheit ist,
Und Seeligkcit olm' Ende
Weit über all mein Lob ist deiner Güte Werth;
Du hörest gern das Lob, das deiner Huld begehrt-
*)»Nach Meister Stollen.