Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 16 (1821) Gedichte ; 2
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

Du Mutterhand, die alles hebt und tragetUnd mich, aucy mich zu deinem Kind erlesen.

Ich knie vor dir als Kind in stiller DcmuthDu stehst ja innig, was ick will und denke,

Du lenkest selbst mein Herz, wenn ich es lenke,

Und gibst mir selbst die Thrane süßer Wehmuth.

Mtin tiefstes Daseyn ist vor dir enthüllet,Mein Lebensbuch ist vor dir aufgcschlaacu,

Und manche Wünsche, die stumm in mir lagen,

Eh ich sie wägete, hast du erfüllet.

Was kann ich dir, als was ich ganz bin, geben?Denn, Freund, du gabst mir, was ich bin und habe.Mein Wunsch, dir treu zu seyn, ist deine Gabe,Mein Licht ist dein, mein Trost und all mein Leben.

Ach war' ich, wozu mich dein Blick bestimmte tWas seyn zu soll.n tief ich in mir fühle.

Ich irre noch, ich irre fern vom Ziele,

Und mancher Funk' erlosch, der in mir glimmte.

Freund meines Lebens, reiche deine Hände,

O sey mir selbst der Führer, der mich leite,

Der Trieb, die Stimme, die mich stets begleiteUnd msine Fehler selbst zum Guten wende!

Nie will ich thöricht dir mein Herz verhüllen,Nie tobendkühn die Wahrkeit von mir scheuchen.Wenn alles weicht, sollt du nicht von mir weichen;Denn du nur kannst und wirst mein Herz erfüllen.

Du liebest mich und hast mich stets geliebet,Denn dein sind meiner Jugend frohe Zeiten,