Herders Gedichte.
A r i s r
am Felsen.1801.
An einem Felscnhange lag AristHin in die Wüste seufzend; „ach wie stuminIst alles um mich! und wie Geist - und HerzUnd Sinnenleer! Wie fern ist jene Sonne,
Die untergeht und jener traurigeWon keinem Lebenden bewohnte Mond!
Es strecken ungeheure Wüsten sich
Zum Mars, zu Aevs, Saturn und Uranus,
Noch Ungeheurere von Stern zu Stern —
Ein Quentchen ist das Leben in der Schöpfung,
Und ach, wie noch ein kleiner Quentchen istVerstand und Herz auf unsrer Erde! FelsWar einst und ist sie noch; ein glühnder Brei,
Der Jahremillionen um die Sonne,Hinausgeschleudert von ihr, schwebte, dannIn kaltern, wüsten Regionen sichAllmählich härtete; allmählich flogHier, dort und da ein Lebensfunk' ihn an,
Glimmt' und verglimmte. Jener Kalk der Berge,Die Erde, die ich trete, Baum und ThierUnd Pflanze, was auf Erden irgend lebt,
Sind letzte Folgen eines Untergangs,
In den einst alles sinkt. Des Menschen GeistWie sparsam ist er ausgestreuet; schwach