Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 16 (1821) Gedichte ; 2
Entstehung
Seite
80
Einzelbild herunterladen
 

6o

Herders Gedichte.

Wie er durch Nebel und durch Dämmerung,

Durch Finsterniß und Irren sie gefübrtUnd führen wird zum Lichte. Singe mir,

Wie er die Strahlen dieses Lichts zerstreutDurch Völker, Zonen und Jahrtausende,

Und alle kennt und alle sammlen wirdAu einer Sonne der Glückseligkeit.

Allgütigcr, begeistre, lehre mich,

Du mußt mich lehren' Denn wer bin ich Staub,Daß ich auf Lichtesflüqeln streb' emporUnd deinen Rathfchluß höre? Wer bin ich,

Daß ich hinein in jenes Dunkel seh',

Wo die Vergangenheit die Zukunft wird,

Und im erstorbn.n Keim der GegenwartDer Baum der Nachwelt blühet. Wer bin ich»

Zu schaun, wie bittrer Tod das Leben istUnd tiefe Tiefe sich zur Höhe schwingtUnd sich in Höb'n und Tiefen überallDein Vaterantlitz offenbaret?

Hell

Wird meine Leier, denn ein GottcsstrahlBerührt sie, wecket ihre Saiten aufZu seinem Nachhall und mein Auge glanzt,

Mein Herz schlagt fröhlicher; denn, Brüder, hört's,Euch Menschen sing' ich eures Schicksals Gott.

In dichten Finsternissen lag ich tiefVerhüllt und irrte mich an Gottes PfadMit seinen Menschen. Sind sic oder nichtGeschöpfe seiner Hand zum Licht' ersehn,

Zur Tugend, zur Glückseligkeit? Sie sind

Dahin-